Im Zuge der Tätigkeit als selbstständiger Berater ist das Risiko einer Scheinselbstständigkeit immer wieder neu abzuwägen. Nachfolgend haben wir relevante Beurteilungskriterien zur Positionierung als selbständiger Berater am Markt und für die inhaltliche und vertragliche Gestaltung in einer konkreten Projektsituation zusammengestellt.
Nach gängigem Verständnis ist selbständig, wer keinem Direktionsrecht unterliegt, in keine fremde Arbeitsorganisation eingegliedert ist und seine Arbeitszeit frei bestimmen kann.

Dieser Leitfaden basiert auf unserem Fachwissen und unserer Erfahrung als Interim Provider. Wir haben uns intensiv mit den gesetzlichen Vorgaben zu diesem Thema beschäftigt, können aber keine rechtsverbindlichen Auskünfte erteilen, da wir keine Juristen oder Steuerberater sind.

1. Die Positionierung als selbständiger Berater am Markt

Unabhängig von der konkreten Ausgestaltung des jeweiligen Projekts sollten die anerkannten Statusmerkmale eines Selbständigen weitgehend erfüllt sein:

  • Eigener Geschäftsbetrieb
    Ein Selbständiger verfügt über einen dauerhaft eingerichteten eigenen Geschäftsbetrieb. Es ist vorteilhaft, eine eigene inhaltlich aktuell gepflegte Homepage zu unterhalten, ein eigenes Unternehmen (bspw. in Form einer GmbH oder UG) zu gründen, mindestens einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer zu beschäftigen, eigene Büroräumen, einen Firmen-Kfz sowie eigene Betriebs- und Arbeitsmittel (Hard- und/oder Software etc.) vorzuhalten. Der Berater hat eine USt-Identifikationsnummer, eine Gewerbeanmeldung oder eine Freiberufler- Anerkennung durch das Finanzamt, der Geschäftsbetrieb wird durch eine Betriebshaftpflicht- Versicherung abgesichert.

  • Akquise weiterer Auftraggeber:   
    Grundsätzlich zeichnet sich ein Selbständiger durch wirtschaftliche Unabhängigkeit von einem konkreten Auftraggeber bzw. Projekt aus. Innerhalb eines Betrachtungszeitraums von bis zu 24 Monaten sollte ein Berater z.B. einen weiteren Auftraggeber neben GP+S haben. Idealerweise ist die inhaltliche Expertise des Beraters komplementär zur Expertise von GP+S. Soweit ein weiterer Auftraggeber nicht vorliegt, sind entsprechende Akquisitionsbemühungen erkenn- und notfalls belegbar.

  • Wahrnehmung Deiner Marktchancen:  
    Selbständige nehmen wirtschaftliche Risiken in Kauf, um im Gegenzug die sich bietenden Marktchancen nutzen zu können. Dazu gehört die Kalkulation von marktgerechten Angeboten, Verhandlung der Tagessätze und die unternehmerische Entscheidung über Annahme oder Ablehnung von Projekten. Die Dokumentation dieser geschäftlichen Tätigkeit spiegelt die wirtschaftliche Unabhängigkeit als Selbständiger wieder.

  • Risikoabsicherung
    Ein nicht gesetzlich versicherter Selbständiger trifft eigenständig Vorsorge gegen die Risiken einer Erkrankung, einer ggf. auch durch einen Arbeitsunfall herbeigeführten Berufsunfähigkeit und einer Pflegebedürftigkeit. Wir verweisen in diesem Zusammenhang insbesondere wegen des Risikos eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit auf die Möglichkeiten, sich bei verschiedenen Berufsgenossenschaften freiwillig auch als Selbständiger gegen diese Risiken versichern zu lassen. Entsprechendes gilt für eine Altersversorgung, die möglichst mindestens auf dem Absicherungsniveau der gesetzlichen Rentensysteme liegen sollte.

  • Ergänzender Hinweis: Ein selbstständiger Auftragnehmer unterliegt weitgehend nicht der gesetzlichen Sozialversicherung. Entsprechend ist es möglich, sich eigenständig gegen die Risiken Krankheit, Berufsunfähigkeit und Pflegebedürftigkeit abzusichern. Eine entsprechende Freistellung von den gesetzlichen Systemen greift aber nur, solange der Berater als Selbständiger im sozialversicherungsrechtlichen Sinne qualifiziert wurde.

    2. Die Prüfkriterien für freiberufliche Projektarbeit

    Der Status als Selbständiger ist an verschiedene Kriterien geknüpft. Der Berater arbeitet weisungsfrei auf Grundlage einer abgegrenzten, eigenständigen Leistungsbeschreibung und ist nicht in die Arbeitsorganisation des Kunden integriert. Ob die jeweilige Tätigkeit diese Voraussetzungen erfüllt, lässt sich nicht schematisch festlegen, sondern ist anhand einer Gesamtschau folgender Kriterien zu bestimmen, die jeweils bezogen auf die aktuelle Projekttätigkeit überwiegend erfüllt sein müssen.

  • Verbindliche Leistungsvereinbarung                                                                                                                                 
    Die im Projektvertrag oder bei dessen Abschluss definierte, von Dir zu erbringende Leistung ist für alle Beteiligten, insbesondere auch unseren Kunden, verbindlich. Eine weitergehende Konkretisierung der von Dir zu erbringenden Leistung durch den Kunden ist zwar durchaus zulässig, soweit die jeweiligen Leistungsinhalte bereits in abstrakter Form in Deinem Projektvertrag oder der schriftlichen Leistungsbeschreibung genannt sind. Ebenso ist ein Austausch oder eine Ergänzung der von Dir zu erbringenden Leistungen zulässig. Letzteres bedarf aber einer entsprechenden Änderung oder Ergänzung des zwischen GP+S und dem Kunden bestehenden Vertrages einerseits sowie auch deines Projektvertrages andererseits.

  • Leistungserbringung frei von Weisungen

    • Art und Weise der Leistungserbringung                                                                                                                    
      Weder der Kunde noch GP+S erteilen Weisungen in Bezug auf die Form der Vertragsdurchführung, die Wahl etwaiger Arbeitsmethoden oder die Art und Weise der Leistungserbringung (soweit es sich hierbei nicht um ein zertifiziertes Prüfverfahren, bestimmte DIN-Normen oder sonstige allgemein anerkannte Regeln der Technik handelt, die einen messbaren Qualitätsstandard für die Leistungserbringung bilden). Demgegenüber darf der Kunde die Ziele der Leistungserbringung, auch in Form von Zwischenzielen, definieren.

    • Arbeitszeitgestaltung                                                                                                                                                      
      Ein wesentliches Merkmal der Selbständigkeit ist das Recht zur flexiblen Arbeitszeitgestaltung, dies gilt für Dauer und Beginn und Ende des Arbeitstages. Es ist dabei nicht erforderlich, dass die Arbeitszeit tatsächlich laufend verändert wird. Wichtig ist vielmehr, dass Mitarbeiter des Kundenunternehmens den Berater z.B. nicht zur An- oder Abmeldung von Arbeitszeiten verpflichten oder Krankmeldungen einfordern dürfen. Hiervon unberührt bleiben selbstverständlich vereinbarte Übergabe-, Abstimmungs- oder Besprechungstermine. Ebenso verbindlich sind Begrenzungen der Arbeitszeit oder An-/Abmeldepflichten, die aus Gründen der Arbeitssicherheit oder Infrastrukturgründen bestehen.

    • Wahl des Arbeitsorts                                                                                                                                                     
      Eine Bindung an einen festen Arbeitsplatz sollte vermieden werden, soweit sich nicht aus dem Inhalt der Tätigkeit heraus zwingend ein bestimmter Arbeitsplatz ergibt. In Abstimmung mit dem jeweiligen Kunden ist der Arbeitsplatz flexibel und aufgabengerecht zu gestalten, ein gewisser Remoteanteil wird empfohlen.

  • Ausschluss arbeitsteiliger Zusammenarbeit mit Dritten
    Ein Freiberufler wird zur Erfüllung eines abgegrenzten Auftrags tätig. Zwar ist eine aufeinander aufbauende, zeitlich aber nacheinander stattfindende Tätigkeit an derselben Sache zusammen mit anderen freiberuflichen Beratern, sonstigen Dritten oder Mitarbeitern des jeweiligen Kunden möglich. Der jeweilige Leistungsbeitrag muss jedoch eigenständig identifizierbar und von den Leistungen Dritter unterscheidbar sein. Eine arbeitsteilige Zusammenarbeit mit Dritten gefährdet nicht nur den Selbständigen-Status, sondern kann auch dazu führen, dass ein Berater für die etwaigen Fehler anderer haftet.

  • Nutzung eigener Betriebsmittel
    Als weiteres Indiz der Selbständigkeit gilt die Art der Betriebsorganisation. Bringt der Berater seine eigene Hardware mit in den Einsatz und nutzt die eigene Email-Adresse oder sonstige Betriebsmittel dokumentiert dies die Eigenständigkeit im Verhältnis zum Kunden bzw. GP+S. Die Nutzung kundenseitig gestellter Hard- und Software gefährdet den Selbständigen-Status nur dann nicht, wenn dies aus technischen-, datenschutz- oder urheberrechtlichen (Lizenzen etc.) Gründen zwingend erforderlich ist.

  • Außenauftritt im Projekt
    Gegenüber Dritten (Lieferanten des Kunden, dem Kunden-Betriebsrat etc.) tritt der Berater erkennbar als externer, selbständiger Dienstleister auf. Dringend zu vermeiden ist jegliche Aufnahme in interne Telefonregister, Organigramme oder sonstige Mitarbeiter-Übersichten des Kunden, soweit darin nicht deutlich wird, dass der Berater externer Dienstleister ist. Auch eine innerhalb des Kundenunternehmens genutzte Email-Signatur o.Ä. muss den externen Status deutlich erkennen lassen. Gleiches gilt für Türschilder, Visitenkarten oder sonstige „Handouts“ an Dritte.

  • Keine Gleichstellung mit Mitarbeitern des Kunden
    Dem Status als Selbstständiger widerspricht jegliche Einbindung in Sozialleistungen des Kunden, z.B. vom Kunden bezuschusstes Kantinenessen, Teilnahme an dessen Weihnachtsfeiern etc. Eine Übernahme von Krankheits- oder Urlaubsvertretung für Mitarbeiter des Kunden ist nicht zulässig. Der Selbständige wählt seinen Urlaub frei, wobei es selbstverständlich unschädlich ist, wenn Du hierbei etwaige Projekterfordernisse berücksichtigst und der Ansprechpartner beim Kunden zudem frühzeitig über den Urlaub informiert ist.