GP+S Metatrends

Aus der Vielzahl an Entwicklungen bei einzelnen Technologien und den technologischen Trends kristallisieren sich Metatrends heraus. Die Wirkung dieser übergeordneten Trends ist nicht nur über alle Bereiche hinweg beobachtbar, sondern zeigt auch allgemeinere Entwicklungen auf, die es unabhängig von konkreten Use Cases oder Implementierungsfragen bei Überlegungen strategisch zu berücksichtigen gilt:

Die Einschätzungen zu den Möglichkeiten einzelner Technologien werden realistischer und die Umsetzung von Use Cases und die Erweiterung bestehender und Schaffung neuer Geschäftsmodelle rücken in den Vordergrund. Der Einsatz neuer Technologien, wie beispielsweise künstliche Intelligenz (KI), stellt keinen Selbstzweck mehr dar, sondern geht einher mit nachhaltigen Geschäftsmodellen und Effizienzsteigerungen. Das vergangene Jahr hat veranschaulicht, wie Technologien in der Praxis konkret eingesetzt und genutzt werden können, um Geschäftsmodelle anzupassen, neue Vertriebskanäle zu erschließen oder die Zusammenarbeit von remote arbeitenden Teams zu ermöglichen.

Neue Technologien werden zunehmend für die sukzessive Weiterentwicklung bestehender Dienste und Prozesse genutzt. Die (inkrementelle) Weiterentwicklung verdeutlicht den Mehrwert von neuen Technologien und fördert die Adaption, statt diese durch übertriebene Erwartungen an disruptive Entwicklungen im Keim zu ersticken. Im vergangenen Jahr gab es zahlreiche Beispiele marktfähiger Lösungen, beispielsweise Collaboration-Tools wie MS Teams oder Zoom, die direkt adaptiert werden konnten und neue Ansätze, bspw. in der Zusammenarbeit oder im Vertrieb, ermöglichten, die sukzessive weiterentwickelt werden.

Während in den vergangenen Jahren einzelne Technologien und ihre Auswirkungen auf Prozesse, Dienste und Produkte oftmals isoliert betrachtet wurden, werden die Entwicklungen zunehmend durch die Verknüpfung unterschiedlicher Technologien befördert. Diese Konvergenz führt auch zu einer Zunahme von Hyperautomation, also der Automatisierung der Automatisierung und immer mehr IT-Automation Projekte gehen aus dem Stadium der Pilotierung in die Skalierung über.

Technologien und Anwendungen werden durch vereinfachte Schnittstellen und User Interfaces für eine breitere Anzahl an Nutzern zugänglicher. Auf Basis von Low- oder No Code-Anwendungen können technologische Dienste durch die Nutzer angepasst und erweitert werden, sodass neue Dienste entsprechend der Anforderungen der Nutzer geschaffen werden. Der immer einfacher werdende Zugang ermöglicht ungeahnte Möglichkeiten zur Individualisierung von Anwendungen, bspw. im Rahmen von Self-service Analytics oder Kampagnenmanagement.

Gesellschaftliche Entwicklungen und ethische Fragestellungen finden zunehmend Berücksichtigung und beeinflussen den Einsatz von Technologien und die Ausprägungen von Geschäftsmodellen. Die COVID-Pandemie und die damit einhergehenden gesellschaftlichen Diskurse zu Gesundheit und Schutz der Bevölkerung haben andere Themen temporär in den Hintergrund gedrängt. Zentrale gesellschaftliche Fragestellungen, wie ethische Fragen beim Einsatz von KI, Fake News oder Influencer Marketing, werden aber wieder intensiver diskutiert. Die zentralen Themen Nachhaltigkeit und Neo-Ökologie rücken wieder in den Fokus und werden auch im technologischen Kontext wieder stärker berücksichtigt.

Die digitale Spaltung wächst seit Jahren und der „digitalisierende Virus“ COVID verschärft diese Entwicklung nochmals. Die Gräben zwischen digitaler Avantgarde und digitalen Nachzüglern werden nicht nur größer, sondern auch sichtbarer. Dies gilt sowohl für Unternehmen als auch für die Gesellschaft als Ganzes. Während einige Unternehmen ihre digitalen Geschäftsmodelle ausbauen und anpassen konnten und damit weitere Investitionen in neue Technologien und digitale Touchpoints stemmen können, verlieren andere Unternehmen den Anschluss und laufen Gefahr ihre Geschäftsgrundlage zu verlieren. Das gleiche Bild zeichnet sich aber auch mit Blick auf Nutzer und Mitarbeiter ab. Während einige die neuen Möglichkeiten, bspw. der digitalen Zusammenarbeit, voll ausschöpfen, werden Menschen mit unzureichenden Kenntnissen, die nicht ausreichend befähigt werden, zunehmend abgehängt mit der Gefahr, dass Widerstände gegen Veränderungen und neue Technologien zunehmen.

Technologische und gesellschaftliche Trends

Die technologischen Trends der vergangenen Jahre sind grundsätzlich unverändert, jedoch führte die COVID-Pandemie zu einer Verschiebung in der Relevanz und Dringlichkeit von Themen. Viele Trends und technologische Entwicklungen, die bereits vor der Pandemie dringlich waren, wurden priorisiert umgesetzt und erhielten dadurch zusätzlichen Auftrieb, sodass diese sich auf den Roadmaps verfestigt haben. Andere Trends, vor allem zu Themen mit geringerer Dringlichkeit oder Technologien mit geringerer Marktreife, wurden im vergangenen Jahr zurückgestellt und müssen nun wieder aufgenommen werden.

KI und maschinelles Lernen werden in der Breite eingesetzt und arbeiten, sichtbar oder im Hintergrund, in immer mehr Bereichen (mit). Die Möglichkeiten, die durch KI-basierte Anwendungen entstehen, gehen weit über die reine Automatisierung hinaus und verändern nicht nur Produkte und Services, sondern auch die Art, wie zukünftig gearbeitet wird, nachhaltig. KI wirkt damit immer mehr als Enabler für andere Technologien und Use Cases. Die Entwicklung und der Grad der Implementierung von KI wird weiter forciert, da es zunehmend prominente Anwendungsfälle gibt, die eine Industrialisierung von KI-basierten Anwendungen ermöglichen. Es wird erwartet, dass bis 2024 drei Viertel aller Unternehmen von der Pilotierung in die Operationalisierung von KI übergehen.

Die Bedeutung von IT-Security nimmt angesichts neuer Angriffsvektoren, beispielsweise über Apps und die massive Ausweitung der remote Arbeit, sowie neuer Tools, wie Deepfakes, immer weiter zu. Statt privaten Nutzern rücken mittlerweile Unternehmen in den Fokus von Angriffen. Mit der Ausweitung von Remote Work und der damit einhergehenden stärkeren Nutzung cloud-basierter Dienste stieg allein zwischen Januar und April 2020 die Anzahl der Angriffe auf Cloud-Server um 600%. Mit der Zunahme datenbasierter Geschäftsmodelle sowie dem Boost bei der Digitalisierung werden die potenziellen Schäden durch Angriffe, z. B. in Form erpresserischer Ransom-Software, zudem immer größer.

Plattformen sind mittlerweile etablierte und weit verbreitete Geschäftsmodelle. Zwar sind die Branchenschwerpunkte weiterhin E-Commerce und Softwaredienste, die zuletzt einen weiteren Wachstumsschub erhielten, aber die Entwicklung schreitet auch in anderen Branchen voran. Unternehmen aus allen Bereichen, wie beispielsweise Energieversorger, weiten ihre Services aus, um plattformbasierte Ökosysteme zu kreieren und neue, datenbasierte Geschäftsfelder zu erschließen. Alleine in der EU wird ein Wachstum des Datenmarktes von mehr als 6% p.a. auf 83 Mrd. EUR in 2025 prognostiziert. Mehr als ein Drittel aller Unternehmen wird bereits 2022 Käufer oder Verkäufer von Daten sein, die über standardisierte Datenmarktplätze gehandelt werden.

Das Thema Customer bzw. User Experience erhält durch neue Technologien weiter Schwung. Vorreiterunternehmen werden insbesondere durch die Nutzung von Big Data, KI und Smart Things die Customer Journey grundlegend optimieren. Dabei werden neue Technologien an allen Schnittstellen eingesetzt, sei es bei der Kundenkommunikation, der Erhebung und Auswertung von Kundendaten oder der Leistungserbringung. Insbesondere der Einsatz von KI, Data Analytics und Automatisierungen helfen dabei Kunden eine vollständige Digital User Experience zu ermöglichen. Die Zunahme von Remote Work und vermehrte Verfügbarkeit und Nutzung digitaler Vertriebskanäle und Touchpoints im vergangenen Jahr erhöhte die Relevanz von CEM / UX damit nochmals erheblich. Alleine für dieses Jahr wird erwartet, dass 40% aller Entwicklungsleistungen den Fokus auf Design und User Interfaces legen, um kontaktlose Touchpoints und Prozessautomatisierungen zu unterstützen.

Bisher liegt der Fokus von IoT-/IIoT-Projekten in Deutschland weitgehend auf Prozess- und Kostenoptimierung. Mit dem prognostizierten Anstieg an IoT-Geräten auf über 55 Milliarden bis 2025, von denen 75% mit IoT-Plattformen verbunden sein werden, rückt die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle immer mehr in den Vordergrund. Damit einhergehend wird ein immenser Anstieg an Echtzeitdaten von heute rund 15% auf 30% in 2025 erwartet, der neue Anwendungen und Geschäftsmodelle ermöglicht. Der Rollout von 5G (und WiFi6) wird dem Internet der Dinge weitere Wachstumsimpulse bringen. Auch wenn Investitionen in die Netzinfrastruktur aufgrund der Pandemie zeitweise zurückgestellt wurden, sollte das Thema aufgrund steigender Anforderungen an Konnektivität wieder Fahrt aufnehmen.

Der Trend, Dienste cloudbasiert als Service bereitzustellen, ist weiterhin ungebrochen und das Angebot an Diensten ermöglicht auch kleineren Unternehmen komplexe Technologien wie KI, Datenanalysen oder Blockchain zu nutzen, ohne umfangreiche Expertise aufbauen zu müssen. Mit der Notwendigkeit, Zusammenarbeit innerhalb von Unternehmen und zwischen Unternehmen remote zu ermöglichen, erhielt XaaS einen weiteren Boost und neue Tools führen zu weiterem Wachstum. Alleine für Desktop / Workspace-as-a-Service Anwendungen zur Umsetzung von Remote Work werden bis mehr als 1,5 Milliarden zusätzlicher Investitionen bis 2022 erwartet. Gleichzeitig wird XaaS für weitere Anwendungsfelder, Dienstleistungen oder Güter adaptiert und als Geschäftsmodell in immer mehr Bereichen zur Normalität, beispielsweise als Business processes-as-a-Service oder als Licht-as-a-Service.

Neue Anwendungen und Tools ermöglichen, insbesondere durch den Einsatz von KI, immer bessere Analysen und Verknüpfungen von Daten aus unterschiedlichen Quellen. Die Verknüpfung von Daten, Analysetools und KI wird mit steigender Datenmenge immer effektiver und hilft Produkte, unternehmensinterne Prozesse und Customer Experience immer weiter zu optimieren. Die Entwicklungen bei KI und das rasante Datenwachstum forcieren die Entwicklung weiter. Dadurch entstehen nicht nur immer mehr anschauliche Anwendungsfälle, beispielsweise Prognosetools, sondern es werden auch neue Einsatzgebiete erschlossen. So wird erwartet, dass bis 2023 rund 30% aller Unternehmen Graph Technologies einsetzen, also mittels Visualisierungen kontextbasierte Entscheidungen verbessern, und rund ein Drittel aller großen Unternehmen Decision Intelligence implementiert, also Entscheidungsprozesse mittels Data Analytics teilautomatisiert.

Die Anzahl an Daten in Unternehmen steigt kontinuierlich und die Menge an gespeicherten und verarbeiteten Daten verdoppelt sich geschätzt alle drei Jahre. Die Gefahr, dass Datenseen zu Datensümpfen verkommen und vorhandene Potentiale für Datenservices und -produkte nicht ausgeschöpft werden können, steigt. Mit der anhaltenden Datenflut und Diffusion datenbasierter Geschäftsmodelle wird Daten- und Wissensmanagement mit klaren Richtlinien und Prozessen damit immer wichtiger und herausfordernder. Nur wenn Mitarbeiter aktiv in das Daten- und Wissensmanagement einbezogen und mit transparenten Prozessen und geeignete Tools befähigt werden, können Wissens-Silos verhindert und Datenschätze in der Informationsflut nutzbar gemacht werden.

Die Relevanz digitaler Capabilities und die Fähigkeit im digitalen Raum effizient arbeiten zu können, wurde im vergangenen Jahr so deutlich wie nie zuvor. Viele Unternehmen waren schlagartig gezwungen den Übergang zu Remote Work zu gewährleisten. So stieg mit Beginn der Pandemie der Anteil der remote arbeitenden Beschäftigten von 14% zeitweise auf 45% an und es ist davon auszugehen, dass ein hoher Anteil der Beschäftigten auch zukünftig, zumindest anteilig, remote arbeiten wird.  Die Befähigung zum Remote Work umfasst nicht nur die Bereitstellung der richtigen Tools, sondern auch die Befähigung der Mitarbeiter mit diesen umzugehen und im virtuellen Raum effizient zusammenzuarbeiten. Neben Hardskills im Umgang mit digitalen Werkzeugen, sind auch Softskills wie Empathie und Kreativität erfolgsentscheidend.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist neben der kontinuierlichen Weiterbildung und Schulung von Mitarbeitern vor allem die Bereitschaft zum kulturellen Wandel in den Unternehmen. Die schlagartige Ausweitung des Remote Work und die Erwartung, dass diese auch in Zukunft erhalten bleiben wird, erfordern einen Wandel sowohl in der Mitarbeiterführung als auch in der Zusammenarbeit innerhalb von Teams. Wichtiger als Mikromanagement einzelner Mitarbeiter wird die Unterstützung von Teams bei Abstimmungen und Zeitmanagement, um ausreichend Raum für eigenständiges und eigenverantwortliches Arbeiten zu schaffen. Hierfür ist auch eine größere Transparenz über Zuständigkeiten, Kommunikationswege und Arbeitsfortschritte über alle Hierarchieebenen und Abteilungsgrenzen hinweg erforderlich.

Der Mega-Trend „Neo-Ökologie“ wurde zeitweise in den Hintergrund gedrängt, kommt aber nun wieder stärker auf die Agenda, da er das Kauf- und Konsumverhalten beeinflusst und bei Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit und ethischerem Handeln führt. Neue und umweltfreundlichere Technologien, bspw. Elektro- oder Wasserstoffantriebe, und neue Geschäftsmodelle, bspw. Sharing Economy Modelle, erhalten größere Aufmerksamkeit und setzen sich langsam in der Breite durch. Gleichzeitig finden alternative KPI, wie CO2- oder Wasserverbrauchsfußabdrücke, Einzug in den Unternehmensalltag und führen zu einer Weiterentwicklung von Unternehmenszielen, die über den reinen Shareholder Value hinausgehen.

Getrieben von zunehmendem Bewusstsein bei den Konsumenten und regulatorischem Druck bleibt Datenschutz (Privacy) ein wichtiges Thema. Seit der Einführung der DSGVO im Jahr 2018 ist eine Verschärfung der regulatorischen Vorgaben auch in anderen Ländern, bspw. Japan oder einigen US-Bundesstaaten, in der Planung und Umsetzung. Für Konsumenten spielt neben dem Schutz der eigenen Daten auch die Transparenz über die Nutzung der Daten eine immer größere Rolle. Kontroverse Diskussionen gab es nicht nur rund um die deutsche Corona-Warn-App sondern auch regelmäßig im Kontext von Social Media Plattformen, wie TikTok oder WhatsApp. Mit der Zunahme und Etablierung von Remote Work wird Datenschutz für Unternehmen zudem auch in internen Prozessen, etwa gegenüber den eigenen Mitarbeitern und Partnern, ein immer wichtigeres Thema.

Aktuelle Trends und Entwicklungen zielgerichtet nutzen

Die Kenntnisse über aktuelle Entwicklungen und wichtige technologische Trends sind die Voraussetzung für eine zielgerichtete Digital- und Businessstrategie. Mit der GP+S Trendanalyse unterstützen wir unsere Kunden regelmäßig bei der Identifikation von strategischen Handlungsfeldern, der Implementierung neuer Technologien, dem Aufbau neuer Geschäftsfelder und der Weiterentwicklung des Produktportfolios.